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Schönhengstgau
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Geschichtliche Entwicklung

Zur geschichtlichen Entwicklung

 

Mähren war seit jeher wegen seiner Fruchtbarkeit, Bodenschätze, seinem gemäßigten Klima, aber auch wegen seiner besonderen Lage als Durchzugsland zwischen Weichsel nnd Oder einerseits und Donau, Elbe und Moldau andererseits, uraltes Siedelland. Dies trifft insbesondere für den Süden und Südosten des Schönhengstgaues zu. Das Gebiet um Müglitz ist reich an Funden aus der Steinzeit und der Urnenfelderkultur, deren Hügelgräber (mogil = Grabhügel) aller Wahrscheinlichkeit nach Müglitz den Namen gegeben haben. Daß auch Kelten und Germanen ansässig waren, beweisen Funde und die Übernahme zahlreicher Fluß- und Ortsnamen durch die slawischen Einwanderer im 6. bis 8. Jahrhundert. Im Jahre 981 wird von Cosmas "die unter dem Wald liegende Burg Leitomischl" genannt. Die Burg Leitomischl bewachte das Landestor und lag am Grenzwald. Über Leitomischl hinaus waren die Slawen mit ihrer geschlossenen Siedlung noch nicht vorgedrungen. Der ganze, spätere Schönhengstgau war also zu dieser Zeit menschenleer oder nur an den Steigen und Wasserläufen entlang dünn besiedelt.

Nach dem Ende der Staufer waren die böhmischen Könige die mächtigsten Fürsten des deutschen Reiches. Infolgedessen konnte König Ottokar II. es wagen, dem nach dem Interregnum gewählten König Rudolf von Habsburg zu widerstehen und selbst die Kaiserkrone zu beanspruchen. Er unterlag jedoch in der Schlacht auf dem Marchfeld im Jahre 1278.

In diese Zeit fiel eine Welle von Städtegründungen und ihre dementsprechende Befestigung. Die Städte brachten den Bürgern mehr Privilegien und Freiheiten, stärkten jedoch auch gleichzeitig sowohl in wirtschaftlicher, als auch verteidigungspolitischer Sicht die Macht des Hochadels. Die Städte brauchten jedoch auch ein Umland. Neben den weltlichen Herrschern traten bei dieser Form der versuchten Machtsicherung und Machtausdehnung auch geistige, das heißt kirchliche, Machtorganisationen in Erscheinung.

So kam es, daß im 13. Jahrhundert nicht nur der böhmische König Ottokar II., sondern auch der Olmützer Bischof Bruno von Schaumburg und das Prämonstratenserkloster Leitonlischl die Besiedlung des Schönhengstgaues antrieben. Diese Besiedlung durch Familien aus Mainfranken, der Oberpfalz, der Rheinpfalz und Schwaben erfolgte nicht einheitlich, sondern von verschiedenen Ansatzpunkten aus. Die Siedler kamen in das Land nicht mit Gewalt, sondern wurden vom König, den Klöstern und den geistlichen und weltlichen Grundherren gerufen. Es ging also nie um eine Landnahme, sondern immer um eine Landgabe.

Während im Süden und Südosten des Schönhengstgaues noch in der alten Form mit Haufen- und Straßendörfern gesiedelt wurde, wurden in den anderen Landesteilen überwiegend Reihenhufen- oder Waldhufendörfer angelegt. Ein Vertrag zwischen dem Grundherrn und dem eigentlichen Dorfgründer, dem Lokator (oftmals ein Ritter), nach dem das Dorf häufig henannt wurde, verpflichtete diesen, auf der ausgewiesenen Fläche deutsche Siedler anzusiedeln. Als Lohn für die schwierige Aufgabe der Dorfgründung erhielt der Lokator Zinsprivilegien und wurde zum Richter des Dorfes (Erbrichter) bestellt.

Zur Zeit der Ostsiedlung wehte eine frische Luft durch Deutschland. Neben dem Ruf "Stadtluft macht frei!" galt auch die Losung "Rodung macht frei!". Die neuen Dörfer unterstanden dem deutschen Recht und seine Bürger genossen Freiheiten, die trotz des anfänglich harten Siedlerlebens Schutz boten und eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung gewährleisteten.

Obwohl sich im Laufe der Jahrhunderte die Rechtsstellung der deutschen Bauern mehr und mehr verschlechterte, lebten die Schönhengster in einem bescheidenen Wohlstand, bis die Hussitenstürme hereinbrachen und das Land an den Abgrund des Verderbens brachte. So wurde unter Wladislaw II. um 1500 das Gesetz über die erbliche Leibeigenschaft der Bauern zum Landesgesetz erhoben und das mühsam errungene deutsche Recht durch das römische Recht ersetzt, was die Unfreiheit der Bauern besiegelte.

Eine neue Entwicklung bahnte sich an, als etwa 100 Jahre später verschiedene Grundherren dazu übergingen, die Bauern abzustiften und auf Bauerngrund Meierhöfe anzulegen. Aus der patriarchalischen Grundherrschaft war eine neuzeitliche Gutsherrschaft geworden! Dies führte zu einem förmlichen Strukturwechsel in den Dörfern und erreichte während des 30-jährigen Krieges seinen Höhepunkt. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts war eine rückläufige Bewegung zu verzeichnen. Als nach 1848 Robotbauern zur Fronarbeit auf den Meierhöfen nicht mehr zur Verfügung standen, mußten viele Meierhöfe an Kleinpächter parzelliert verpachtet werden. Bereits 67 Jahre vorher, am 1.11.1781, hob Kaiser Joseph II. die Leibeigenschaft auf. Eine Forderung, die 1680 im großen Böhmisch-Mährischen Bauernaufstand, an der sich jedoch nur die Bauern der Herrschaft Landskron beteiligten, blutig niedergeschlagen wurde.

Bis zur Aufhebung der Leibeigenschaft lag alle Macht im Dorfe in den Händen des Grundherrn. Dieser war nach der Schlacht am Weißen Berg (1620), als die böhmischmährischen Aufständischen besiegt wurden und auch der seitherige Trübauer Grundherr fliehen mußte, für die Herrschaft Trübau das dem habsburgischen Kaiser zugeneigte Haus des Fürsten Karl von Liechtenstein. Der Grundherr bestimmte die Höhe des Zinses, das Ansmaß der Frondienste, er war zugleich Ankläger, Richter und Vollzieher der Strafe. Ohne seine Erlaubnis durfte man nicht studieren, ein Handwerk erlernen, in die Stadt ziehen oder heiraten.

Da der Hof nicht geteilt werden durfte und erst Kaiserin Maria Theresia kleinere Abgliederungen des Hofes im Tal gestattete, lebten die spätgeborenen Kinder als Häusler oder Feldgärtner und waren ebenfalls robotpflichtig. Robot und Taglohn aber gab es nur im Sommer. Da nun weder die Häusler, die oft nur eine Ziege, ein paar Hühner und eine Gans ihr eigen nannten, noch die Feldgärtner von der Landwirtschaft leben konnten, zog damals der Webstuhl mit Flachsanbau in die Schönhengster Dörfer ein. Er brachte diesen Familien, wo auch die Kinder von früh bis spät mitschuften mußten, sehr oft "zu wenig zum Leben und zuviel zum Sterben".

Einen letzten Strukturwandel erlebten die Schönhengster Siedlungen in der Zeit der Industrialisierung im ausgehenden 19. Jahrhundert, als aus vielen Hauswebern Industriearbeiter wurden. Diese Entwicklung war im allgemeinen glücklich, da diese Arbeiter meist auch eine kleine Landwirtschaft betrieben.

Die Vertreibung seiner deutschen Bewohner im Jahre 1945/46 brachte für den Schönhengstgau jedoch den kulturellen und wirtschaftlichen Tod. Ein Tod, dem nicht nur eine 700-jährige Aufbauarbeit und B1üte vieler deutscher Generationen voraus ging, sondern auch die Liebe der dort lebenden Menschen zu ihrer Heimat im Herzen Europas.

 

(Harald Orner)

 

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