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Landwirtschaft, Handwerk und Industrie

 

Schon bei der Besiedlung des Schönhengstgaues im 13. Jahrhundert praktizierten die Bauern eine ausgeprägte Dreifelderwirtschaft mit Sommerfrucht, Winterfrucht und Brache. Das Aufkommen der Kartoffel und des Rotklees ersetzte die Brache und führte zur eigentlichen Fruchtfolgewirtschaft. Seit altersher stand im Schönhengstgau auch - die für die Volkskultur so bedeutsamen Rockenstuben beweisen es - der Flachsanbau in voller Blüte. Er kam erst in 20. Jahrhundert infolge der Baumwolle und billigen Einfuhren zum Erliegen.

Berühmt aber war die Schönhengster Landwirtschaft auf dem Gebiet der Viehzucht. Das Schönhengster Rind, das wegen seiner Milch, seincs Fleisches, aber auch seiner Zugleistung sehr geschätzt wurde, zeichnete sich vor allem durch seine regelmäßige Fruchtbarkeit und eine große Langlebigkeit aus. Zentrum der hochwertigen Schweinezucht war Nickl, das unter dem Präsidenten des "Centralverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften für Böhmen in Prag", Johann Frodl, zum Sitz des Verbandes der Edelschweinezüchter in der Tschechoslowakei wurde. Alle Schönhengster Bauern waren große Pferdeliebhaber. Aus diesem Grunde war auch die Zucht des Warm- und Kaltblutpferdes bedeutend, was auch von der Geflügel-, der Ziegen-, der Fisch- und besonders auch von der altberühmten Bienenzucht gesagt werden kann. Grundlage dieser aufstrebenden Landwirtschaft waren ab den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts die zahlreichen landwirtschaftlichen Vereine, Genossenschaften, Raiffeisenkassen und Lehranstalten.

Im Schönhengstgau gab es keine Landflucht. Beharrlich blieben die Bauern auf ihren Höfen und hielten so mit ihrer Scholle die Sprachinsel. Ihre Bauernhöfe zeigten das Gepräge der fränkischen Hofanlage. Bezeichnend für die größeren Gehöfte ist der geschlossene Hof, der Vierkanthof. Er wurde durch das Wohn-Stall-Gebäude, kleinere Ställe. die Scheune und den Schupfen gebildet. Beim vollkommenen Vierkanter, der gleich einer Burg die Talhöhe beherrschte, zeigte das Gebäude ein geschlossenes, in gleicher Höhe verlaufendes Viereck.

Seit der Gründung des Schönhengstgaus gab es aber auch Handwerker. Erste Urkunden berichten von Fleisch-, Brot- und Schuhbänken, von Mühlen und Tuchwalken. Es gab Schmiede, Wagner, Töpfer, Tuchmacher und Weber, ja sogar Bierbrauer. Die Märkte und das Meilenrecht, sowie die Zünfte, die sich nach den Hussitenkriegen entwickelten, boten Schutz und Entwicklungsmöglichkeiten. Die Zünfte gaben sich feste Regeln. So durfte in Trübau ein Tuchmacher nur zwei, ein Weber aber vier Stühle betreiben. Ein Schlosser konnte acht, ein Tischler nur zwei Lehrlinge halten. Das Zunftwesen henachteiligte jedoch zugewanderte Gesellen sehr stark und erwies sich im Laufe der Zeit als ein immer größeres wirtschaftliches Hemmnis, was den Staat veranlaßte, die Freiheit der Zünfte immer mehr einzuschränken. Auch die "Bannmeile" mußte im 18. Jahrhundert fallen, so daß nicht nur Stadt-, sondern auch Dorfbewohner ein Handwerk betreiben konnten.

Im Schönhengstgau kam, wie bereits erwähnt, den Tuchmachern und Webern eine große Bedeutung zu. In Zwittau gab es um 1835 nicht weniger als 174 Tuchmacher, 205 Leinenweber und 9 Färber. Überall in Dorf und Stadt klapperten die Webstühle. Eine wichtige Einnahmequelle war auch der Bierassschank. Vor allem das Trübauer Bier war sehr geschätzt und mit besonderen Vorrechten ausgestattet.

Handwerk und Handel gehören zusammen. Dieser aber benötigt gut ausgebaute Verkehrswege. Während die Wege entlang den Flußtälern keine Schwierigkeiten bereiteten, waren im Schönhengstgau aber auch schwierige Steigungen zu überwinden. So soll der Narne "Schönhengstgau" von "Schind den Hengst" kommen, weil der Anstieg über den Kamm des Schönhengstzuges von Trübau nach Zwittau für die Gespanne sehr anstrengend war. Im Jahre 1742 wäre, während des Krieges der Preußen gegen die Habsburger, der preußische König Friedrich der Große bei Krönau fast in die Hände der Habsburger geraten, als er den steilen Paß über den Schönhengst umgehen mußte.

Mit der Entwicklung des Postwesens erblühte jedoch auch das Fuhrwesen und damit der Handel. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit dem Bau der Eisenbahn sich Dampfkraft und Elektrizität entwickelte, nahm die industrielle Revolution auch im Schönhengstgau ihren Lauf. Zwittau wurde mit zahlreichen Faktoreien der Barchenterzeugung ein Zentrum der Textilindustrie. Trübau war bekannt für seine Seidenwarenerzeugung und Silberwarenfabriken. Neben Textilbetrieben entwickelten sich in Landskron die Papierhülsenindustrie und Goldwarenerzeugung. In Müglitz errichtete die Firma Siemens einen Betrieb für den Bau elektrischer Maschinen.  Großbetriebe der Baumwollspinnerei und Seidenweberei, sowie Maschinen- und Metallwarenfabriken standen in Hohenstadt. Auch in manchen stadtnahen, verkehrsgünstigen Dörfern entstanden Industriewerke. Nicht zuletzt auch dort, wo die Natur durch besondere Rohstoffvorkommen den Standort bestimmte. Der industrielle Tonbergbau in Briesen ist hierfür ein treffendes Beispiel. Die florierenden Industriebetriebe im Schönhengstgau schufen vor allem für die Häusler und ärmeren Bevölkerungsschichten Arbeit und damit Brot umd Verdienst.

 

(Harald Orner)

Bilder aus Briesen

 

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