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Glanz und Elend

Glanx und Elend im Schönhengstgau

 

Als im 15. Jahrhundert die Hussitenkriege den Schönhengstgan erfaßten, begann auch hier die Zeit der großen religiösen Auseinandersetzungen. Müglitz, Gewitsch und Leitomischl wurden niedergebrannt und seine Einwohner grausam hingeschlachtet. Mährisch-Trübau hingegen scheint weniger gelitten zu haben, da sein Grundherr der hussitischen Lehre anhing. In dieser haßerfüllten Zeit entwickelte sich in Landskron die religiöse Gemeinde der "Böhmischen Brüder", die in friedlicher Arbeit und praktischer Nächstenliebe eine vorbildliche, segensreiche Tätigkeit entfalteten. Sie standen in Kontakt zu den Waldensern in Italien und Frankreich, wie auch zu Martin Luther in Wittenberg. Als der Landskroner Grundherr jedoch eine streng katholische Spanierin heiratete, mußten die "Böhmischen Brüder" ihren Sitz nach Hohenstadt verlegen, wo auch der große Pädagoge und spätere Bischof der Brüdergemeinde, Johann Amos Comenius, getraut wurde.

Diese Verfolgungen konnten aber nicht verhindern, daß sich der Protestantismus im Schönhengstgau immer stärker ausbreitete. Auch in Mährisch-Trüban wurde der Großteil der Bevölkerung protestantisch, während hingegen Müglitz - weiterhin eng mit dem Bistum Olmütz verbunden - katholisch blieb. Als nach der Schlacht am Weißen Berg im Jahre 1620 die Gegenreformation einsetzte und den protestantischen Untertanen anheimgestellt wurde, entweder katholisch zu werden ocder binnen sechs Wochen auszuwandern, entschloß sich der Großteil der Schönhengster, in der Heimat zu bleiben. So kam es zu einem abermaligen Glaubenswechsel.

Etwa zur gleichen Zeit, im 16. Jahrhundert, entfalteten durch die Herren von Boskowitz in Mährisch-Trübau Humanismus und Renaissance ihren Glanz. Ladislaus von Boskowitz beherbergte reiche Kunstschätze, Instrumente und Bücher in seinem Renaissancebau, der späteren Bränden zum Opfer fiel. Nur das Portal im Haupteingang und zwei runde Medaillons, die Ladislaus und seine Gemahlin zeigen, blieben aus dieser Zeit erhalten. Sie wurden im Tor der heutigen Schloßanlage eingesetzt, die um 1600 von seinem Urenkel Ladislaus Welen von Zierotin erbaut wurde. Der herrliche Arkadenhof und der schön gegliederte Turm des italienischen Baumeisters Mottala, das umgebaute Kreuzbergkirchlein, ja selbst die Grabplatten mit Reliefs und Inschriften zeugen vom Reichtum des Bürgertums der Stadt.

Die Blütezeit wurde mit dem Beginn des 30-jährigen Krieges jäh beendet. Durchziehende Kriegsmeuten, Hungersnöte und Pest verminderten die Bevölkerung Trübaus und der umliegenden Dörfer auf ein Drittel. In den Dörfern wuchs die Zahl der "wüsten Höfe", in Trübau selbst standen nur noch 35 Häuser.

Es dauerte über ein halbes Jahrhundert, ehe sich das Land von dieser Katastrophe erholte und im kunstreichen Barock neue Kräfte erblühten. Kirche und Grundherr, Adel und Bürgertum begannen zu bauen und mit Steinbildern die Plätze und Gärten der Schlösser und Städte zu verschönern. Eine Reihe hervorragender einheimischer Steinmetze, Maler und Holzschnitzer schufen im Schönhengstgau zahlreiche Beispiele dieser unverwechselbaren Barockkunst. So schmückte der große Barockmaler Johann Christoph Handke (1694 - 1774) die Krönauer Kiche mit seinen Fresken. Judas Thaddäus Supper (1712 - 1771), der seit 1736 in Trübau lebte, gestaltete - neben zahlreichen anderen Zeugnissen seiner Kunst im Schönhengstgau die St. Rochus-Kapelle in Briesen mit wunderschönen Wandmalereien aus. Von Johannes Sturmer aus Zwittau stammen die Mariensäulen, die nach der großen Pest um 1716 in Müglitz und Trübau errichtet wurden. Im 19. Jahrhundert traten insbesondere der weithin bekannte Landschaftsmaler Eduard Kasparides (1858 - 1926) aus Krönau, sowie der Brüsauer Maler Eduard Schwoißer (1826 - 1902) - er malte auch für den bayrischen König - hervor.

Als die Trübauer Pfarrkirche 1726 abbrannte, ließ sie Fürst Josef Anton von Liechtenstein in mächtigem Barockstil neu erbauen. Der Architekt war Antonio Beduzzi, der auch die Innenausstattung des Barockdoms zu Melk geschaffen hat. Georg Franz Patzak gestaltete auf dem Trübauer Kreuzberg mit der "Beurlaubung Mariens", der Ölberggruppe und den "Heiligen Drei Kreuzen" barocke Großplastiken, die als kunsthistorisches Juwel gelten.

Im Zuge der Rekatholisierung ließ Fürst Karl von Liechtenstein die Franziskaner nach Trübau kommen, denen Baumeister Jakob Brasche vor 1690 ein Kloster mit der Franziskanerkirche erbaute. Außer in den Städten, setzte die Barockzeit auch auf dem Land mit Säulen, Kapellen und Kirchen, von denen die Barockkirche in Krönau sicherlich einen Höhepunkt darstellt, zahlreiche Glanzlichter im Schönhengstgau.

 

(Harald Orner)

 

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